Informationen zum Thema MPU

Die Fahrerlaubnis ist weg

Sie erinnern sich sicherlich noch gut daran, als Sie ihren „Führerschein gemacht“ haben! War im Grunde doch ganz einfach, Fahrstunden und für die theoretische Prüfung lernen. Im Rahmen der theoretischen und praktische Prüfung wird „lediglich“ die Befähigung, die Eignung wird bei fehlenden Auffälligkeiten gar nicht überprüft.

Jetzt, wo Sie auffällig geworden sind, durch Alkohol und/oder Drogen und/oder Verkehrsverstöße bzw. Punkte, kommt die Überprüfung Ihrer Eignung ins Spiel, die im Rahmen einer medizinisch-psychologischen Untersuchung (MPU) überprüft wird.

Vom Antrag auf Neuerteilung der Fahrerlaubnis zum Gutachten

Die Fahrerlaubnis wurde Ihnen entzogen und eine unterschiedlich lange Sperrfrist angeordnet. Bevor Sie sich fragen, wann Sie denn die Erteilung der Fahrerlaubnis neu beantragen können, sollten Sie vorab prüfen, ob und falls ja über welchen Zeitraum Sie eine Abstinenz nachweisen müssen. Fahrerlaubnisbehörden haben zudem unterschiedlich lange Bearbeitungszeiten nach Eingang Ihres Antrages. Diese beträgt abhängig von der Stadt, die für Sie zuständig ist, zwischen 3 und 12 Wochen vor Ablauf der Sperrfrist einen Antrag auf Neuerteilung der Fahrerlaubnis stellen.

Der Antrag auf Neuerteilung der Fahrerlaubnis macht dann noch keinen Sinn, wenn Sie Abstinenz nachweisen müssen und damit noch nicht begonnen haben oder über einen zu kurzen Abstinenz-Nachweiszeitraum verfügen. Ansonsten können Sie den Antrag auf Neuerteilung einer Fahrerlaubnis 3 – 12 Wochen vor Ablauf der Sperrfrist stellen. Die Dauer hängt von der Bearbeitungszeit der für Sie zuständigen Fahrerlaubnisbehörde ab.

Lassen Sie sich deshalb über die Notwendigkeit und Dauer eines Abstinenznachweises beraten. Denken Sie daran, dass Sie Abstinenz nur unter standardisierten Bedingungen und bei einem besonders qualifizierten Labor durchführen lassen können. Dieses Labor muss für forensische Zwecke zertifiziert sein. Sie können also nicht nur einfach zu Ihrem Hausarzt gehen, wenn dieser nicht die Voraussetzungen für ein anerkanntes Abstinenzprogramm erfüllt. Später erfahren Sie mir dazu.

Auf Ihren Antrag auf Neuerteilung der Fahrerlaubnis erhalten Sie von der Fahrerlaubnisbehörde einen Fragebogen, der mehrere Begutachtungsstellen als Anbieter von Begutachtungen enthält. Sie werden aufgefordert, sich für eine Begutachtungsstelle zu entscheiden.

Bevor Sie den Fragebogen mit Ihrem Wunsch an die Fahrerlaubnisbehörde zurücksenden sollten Sie bei ihrer Fahrerlaubnisbehörde unbedingt Akteneinsicht nehmen und Ihre Akte vollständig kopieren lassen, damit Sie während der Begutachtung nicht von Einträgen überrascht werden, an die Sie sich nicht mehr erinnern.

Sobald die Fahrerlaubnisbehörde Ihre Antwort erhalten hat, wird Ihre Akte an Begutachtungsstelle geschickt.  Diese vereinbart dann mit Ihnen einen Begutachtungstermin.

Der Gutachter bereitet sich anhand der Aktenlage auf das Gespräch mit Ihnen vor. Dabei stellt er schon erste diagnostische Überlegungen an, welche Voraussetzungen Sie für eine positive Begutachtung erfüllen müssen.

Bild MPU Vorbereitung vom Antrag zum Gutachten

Zusammenfassung 1

  • Abstinenzprogramm mit Abstinenzvertrag von ausreichender Dauer begonnen (bei einem für forensische Zwecke zertifizierten Labor)

  • Kurz vor Ablauf der Sperrfrist, und wenn Sie sich gut! vorbereitet fühlen, stellen Sie einen Antrag auf Neuerteilung der Fahrerlaubnis bei der für Sie zuständigen Fahrerlaubnisbehörde (Wohnsitz). Erkundigen Sie sich nach den Bearbeitungszeiten Ihrer Fahrerlaubnisbehörde. Oft kann man 3 – 6 Wochen vor Ablauf der Sperrfrist einen Antrag stellen.

  • Nach Antragstellung ist Akteneinsicht in Ihre Fahrerlaubnisakte möglich. Nehmen Sie Akteneinsicht und lassen Sie sich eine Kopie fertigen!

  • Entscheiden Sie sich nach Eingang des Schreibens der Fahrerlaubnisbehörde für einen Anbieter von Fahreignungsbegutachtungen in Wohnortnähe.

  • Gehen Sie ausgeschlafen, ruhig und gut vorbereitet zur Begutachtungsstelle. Wenn Sie sich nicht nur oberflächlich vorbereitet haben, sondern mit sämtlichen, der Fahrerlaubnisentziehung zugrundeliegenden Aspekten Ihres Lebens beschäftigt haben, sollte das Bestehen kein Problem für Sie sein.

Worum geht es bei der Begutachtung?

Bei der Begutachtung geht ganz allgemein es um die Frage, ob Sie wieder geeignet sind, ein Kraftfahrzeug im Straßenverkehr zu führen. Dabei richten sich die Psychologen und Ärzte bei ihrer Begutachtung nach der Fragestellung der Behörde. Die Fragestellung der Behörde richtet sich nach Ihrer Vorgeschichte, d. h. welche Auffälligkeiten Sie gezeigt haben und weshalb Ihnen die Fahrerlaubnis entzogen wurde.

Wie schon gesagt, die Gutachter beurteilen nicht im luftleeren Raum oder aus dem Bauch heraus, sondern orientieren sich an den Begutachtungsleitlinien der Bundesanstalt für Straßenwesen und den Beurteilungskriterien, worauf ich auch kurz eingehen werde.

Behördliche Fragestellungen

Zwei Beispiele von behördlichen Fragestellungen, die sich an die Begutachtungsstelle richten:

„Ist zu erwarten, ob Herr/Frau xy auch zukünftig ein Kraftfahrzeug unter dem Einfluss von Alkohol fahren wird und ob als Folge eines unkontrollierten Alkoholkonsums Beeinträchtigungen vorliegen, die das sichere Führen eines Kraftfahrzeuges in Frage stellen?“

Es können auch mehrere Fragestellungen vorliegen, die natürlich auch alle drei Begutachtungsgruppen betreffen können beispielsweise bei einer Trunkenheitsfahrt mit 0,6 Promille, Cannabiskonsum, Entziehung der Fahrerlaubnis und anschließendem Fahren ohne Fahrerlaubnis. Dann kämen zur oben genannten Fragestellung zwei weitere Fragestellungen hinzu:

„Kann Herr/Frau xy trotz Hinweise auf Drogenmissbrauch ein Kraftfahrzeug der Gruppe 1 sicher führen? Ist insbesondere nicht zu erwarten, dass Herr/Frau xy ein Kraftfahrzeug unter dem Einfluss von Betäubungsmitteln oder anderen psychoaktiven Stoffen oder deren Nachwirkungen führen wird?

Ist zu erwarten, dass der/die Untersuchte auch zukünftig erheblich gegen verkehrsrechtliche Bestimmungen verstoßen wird?“

Entwicklung von Beurteilungskriterien als Standards der Beurteilung

Zur Beantwortung der Frage, ob Sie wieder geeignet sind, im Straßenverkehr ein Auto zu fahren, haben Verkehrspsychologen in Zusammenarbeit mit Verkehrsmedizinern im Laufe der Jahre ein System entwickelt, um eine medizinisch-psychologische Begutachtung zu standardisieren. Dieses „System“ im Sinne von Standards wurde in den Beurteilungskriterien – Urteilsbildung in der Fahreignungsdiagnostik niedergelegt. Dabei gehen Verkehrspsychologen von Grundannahmen aus, den so genannten Hypothesen, die selbst wiederum durch Beurteilungskriterien näher beschrieben werden und letztere wiederum werden durch positive und negative Beispiele (Indikatoren / Kontraindikatoren) näher erläutert.

Bild MPU - Bedeutung von Hypothesen und Beurteilungskriterien

 Was sind Hypothesen und Beurteilungskriterien

Den Begriff „Hypothese“ haben Sie gerade schon gehört. Er ist Grundlage Ihrer Untersuchung.

Hypothesen sind diagnostische Annahmen der Gutachter. Es gibt unterschiedliche Annahmen (Hypothesen), die Sie für ein positives Gutachten alle erfüllen müssen.

Es gibt allgemeine und spezielle Hypothesen. Letztere sind bezogen auf den Untersuchungsanlass Alkohol, Drogen und Verkehr, sowie auf Abstinenznachweise und psychologische Testverfahren.

Jede spezielle Hypothese ist zweiteilig:

Bild Aufbau von Hypothesen

Welche Hypothesen gibt es?

Psychologen arbeiten mit Hypothesen als Grundlage ihrer Untersuchung. Hypothesen sind „begründete Annahmen, die eine diagnostische Wertsetzung mit daraus abgeleiteten Veränderungsvoraussetzungen für eine positive Beurteilung verknüpft“.

Es gibt unterschiedliche Hypothesen – also Voraussetzungen – , die von Bedeutung sind:

Bild Relevante Hypothesen bei der MPU

Aufgabe der Begutachtung ist es, die für Sie entscheidenden Hypothesen zu bestätigen (dann erhalten Sie ein positives Gutachten) oder zu entkräften (dann gibt es ein negatives Gutachten). Um ein positives Gutachten zu erhalten, müssen alle für Sie relevanten Hypothesen bestätigt werden: Null-Hypothese, Hypothese A, CTU-Hypothese (Abstinenz) und PTV-Hypothese (Leistungstests).

Die Null-Hypothese und ihre Kriterien

Die Null-Hypothese ist schon deshalb für Sie wichtig, weil viele Kandidaten gerade an dieser Hürde sehr früh scheitern, also erst gar nicht in die Nähe einer positiven Begutachtung kommen können. In allen Gutachten finden Sie einen Hinweis auf die Null-Hypothese mit ihren Kriterien.

Null-Hypothese: Die zur Beantwortung der behördlichen Frage erforderlichen Befunde konnten bei der Untersuchung erhoben werden und sind im Rahmen der Befundwürdigung verwertbar.

Man könnte meinen, dass sei nicht viel, schließlich sind es nur zwei Voraussetzungen, die sich dieser Hypothese entnehmen lassen:

  1. Die zur Beantwortung der behördlichen Frage erforderlichen Befunde konnten erhoben werden
  2. Die erhobenen Befunde sind verwertbar.

Diese Voraussetzungen werden jedoch leider zu oft unterschätzt.

Damit nicht jeder Gutachter selbst überlegen muss oder entscheiden kann, was unter diesen beiden in der Null-Hypothese genannten Voraussetzungen zu verstehen sein soll, wurden so genannte „Beurteilungskriterien“ zur näheren Bestimmung formuliert.

Die Null-Hypothese bedeutet für Sie:

  • Sie müssen situationsangemessen mitarbeiten. Falls Sie gar nicht mitarbeiten oder Sie beispielsweise häufig bewusst ausweichend antworten, können schon keine Befunde erhoben werden; ebenso wenig hilfreich sind Beschimpfungen bzw. Drohungen oder Bestechungsversuche.
  • Sie müssen im Gespräch ausreichend offen sein, damit der Gutachter für ihn wichtige Hintergrundinformationen bekommen kann. Andernfalls kann er keine Problem- und Verhaltensanalyse durchführen und Sie schon deshalb nur negativ bewerten. Ungünstig wirken sich vorbereitete Unterlagen oder Schilderung von Tathergängen auf Grundlage einer „vorbereiteten Geschichte“ aus.
  • Ihre Angaben
    • dürfen sich nicht widersprechen (beispielsweise passen Ihre Angaben zu Ihrem Alkohol- oder Drogenkonsum nicht zum Verhalten am Tattag oder
    • Sie müssen gemachte Angaben wiederholt korrigieren, weil diese zu den weiteren Angaben widersprüchlich sind
    • widersprechen
      • der Aktenlage
      • dem gesicherten Erfahrungswissen des Gutachters oder
      • den wissenschaftlichen Erkenntnissen.

 Hypothesen Alkohol

Sie haben jetzt die allgemeine, so genannte Null-Hypothese kennengelernt. Anhand des Akteninhaltes muss der Gutachter entscheiden, von welchem „Schweregrad“ Ihres Trinkverhaltens auszugehen ist. Dabei gibt es 3 Schweregrade:

Bild MPU Hypothesen AlkoholBeispiel Alkoholgefährdung (Hypothese A3)

Um eine Alkoholgefährdung bejahen zu können, dürfen

  • nicht die Voraussetzungen für eine Alkoholabhängigkeit (A1) oder
  • des konsequenten Alkoholverzichts (A2) vorliegen.

Weitere Kriterien für das Vorliegen einer Alkoholgefährdung sind

  • eine überdurchschnittliche gesteigerter Alkoholgewöhnung und/oder
  • unkontrollierte Trinkepisoden
  • ein ausgeprägtes Entlastungstrinken.

Die Frage, in welche „Problemgruppe“ Ihr Trinkverhalten einzuordnen ist, ist Einzelfallentscheidung und kann pauschal nicht angegeben werden und bedarf in aller Regel der persönlichen Beratung.

Für den Fall des Vorliegens einer Alkoholgefährdung wird für eine angemessene Problembewältigung Folgendes gefordert:

  • Das Alkoholtrinkverhalten wird
    • in ausreichendem Umfang und
    • über eine ausreichende Dauer verändert.
  • Motivationale Festigung der Verhaltensänderung
  • auf der Grundlage eines angemessenen Problembewusstseins sowie
  • Stützung durch stabilisierende Erfahrungen.

Im Einzelnen bedeutet das:

Alkoholtrinkverhalten in ausreichendem Umfang verändern

Das Alkoholtrinkverhalten wird in ausreichendem Umfang verändert, wenn Sie Ihren Alkoholkonsum auf einen als risikoarm zu bezeichnenden Konsum reduzieren. Das ist der Fall, wenn Männer nicht mehr als 20 (- 24) Gramm Alkohol pro Tag an höchstens 4 – 5 Tagen in der Woche trinken, Frauen die Hälfte.

Für jedes alkoholische Getränk kann der Alkoholgehalt bestimmt werden. Wodka hat mehr Alkohol pro Liter als, Wein bzw. Sekt und letztere haben mehr Alkohol pro Liter als Bier. Bier hat in der Regel 5 Volumenprozent (im Folgenden vereinfacht als %), Wein und Sekt zwischen 10 und 13 % und Wodka in der Regel 40 %.

Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) in: Wie sollten Menschen mit Alkohol umgehen, um Gesundheitsrisiken zu verringern?

Multiplizieren Sie die Prozentangaben, die Sie dem Etikett der Getränkeflasche entnehmen können, mit 8 und schon wissen Sie, wie viel Alkohol in Gramm pro Liter in diesem Getränk sind:

Bild MPU Alkoholgehalt alkoholischer Getränke

Die Umrechnung auf 20 Gramm Alkohol ist eine einfache Dreisatzrechnung:

  • Bier 5 %: 40 Gramm pro Liter  =  20 Gramm  =  500 ml
  • Wein/Sekt: 80 – 104 Gramm pro Liter  =  20 Gramm  =  250 – 190 ml
  • Wodka: 320 Gramm pro Liter  =  20 Gramm  =  62,5 ml

Also, um risikoarm zu konsumieren, dürfen Männer nicht mehr als 1 Flasche Bier à 0,5 l pro Tag an höchsten 4 – 5 Tagen in der Woche trinken, Frauen die Hälfte!

Missbräuchlicher Alkoholkonsum (Schädlicher Gebrauch ICD-10 F10.1)

Jeder Alkoholkonsum, der den risikoarmen Konsum übersteigt, wird als schädlicher Gebrauch bezeichnet. Dieser Begriff ist im Wesentlichen identisch mit der Bezeichnung „missbräuchlicher Konsum“. Natürlich hängt die „Gefährlichkeit“ des Alkoholkonsums von der konsumierten Alkoholmenge ab.

Bild MPU Riskanter, gefährlicher Konsum, Hochkonsum Alkohol

Steht bei Ihnen fest, dass Ihr Trinkverhalten vom Gutachter als Alkoholgefährdung eingestuft wird, dürfen Sie Alkohol trinken. Allerdings darf die Trinkmenge den risikoarmen Konsum nicht überschreiten.

Der reduzierte Alkoholkonsum sollte bereits seit einem so langen Zeitraum bestehen, dass früher relevante Trinkanlässe, die zu hohem Alkoholkonsum geführt haben, erneut gegen waren. Davon kann spätestens nach einem Jahr ausgegangen werden.

Zur Kontrolle, ob der Alkoholkonsum ausreichend reduziert wurde, können Haaranalysen auf EtG durchgeführt werden. Eine Untersuchung ist immer nur für die 3 zurückliegenden Monate möglich. Zusätzlich können im Blut Leberwerte und der CDT bzw. etG-Wert bestimmt werden.

Reduzierter Alkoholkonsum sollte über 1 Jahr bestanden haben, nachgewiesen über Haaranalysen auf EtG.

Alternativ sollten sie eine zeitlich begrenzte Alkoholtrinkpause einhalten. Dazu rate ich Ihnen in jedem Fall. Den Alkoholkonsum auch nur vorübergehend über 6 oder 12 Monate konsequent zu beenden (auch unter Verzicht auf alkoholfreies Bier), ist schwer und erfordert Selbstdisziplin, gibt Ihnen aber Gelegenheit, die Ursachen Ihres Alkoholkonsums zu klären und Konsummotive zu erkennen und zu beheben. Zudem verhindern Sie durch Ihren Verzicht, dass Alkohol für Sie eine Funktion erfüllen kann, die Sie daran hindert, Ihr persönliches Verhaltens- bzw. Einstellungsproblem erkennen und daran arbeiten zu können.

Diese Abstinenz sollten Sie dann auch nachweisen durch entsprechende Teilnahme an einem Alkoholabstinenzprogramm und in der Regel mit mindestens 4 Abstinenznachweisen über 6 Monate. Wobei im Einzelfall zu prüfen ist, ob Sie nicht doch mindestens 6 Abstinenznachweise in 12 Monaten erbringen sollten. Auch das ist Einzelfallentscheidung!

Auch im Falle einer bei ihnen vorliegenden Alkoholgefährdung ist es ratsam, dass Sie eine zeitlich begrenzte Alkoholtrinkpause einhalten über 6 bzw. 12 Monate, abhängig von Ihrer persönlichen, Ihrem Alkoholkonsum zugrunde liegenden Lerngeschichte.

Ob Sie tatsächlich in die Gruppe der Alkoholgefährdung gehören ist allerdings vor Beginn des Abstinenzprogrammes zu ermitteln. Erfahrungsgemäß schätzen Betroffene ihr Trinkverhalten oft zu großzügig als Alkoholgefährdung ein um zu vermeiden, dass sie abstinent bleiben müssen. Das kann allerdings dazu führen, dass bei Begutachtung die Abstinenzkriterien nicht erfüllt sind.

Konsequenter Alkoholverzicht erforderlich

Ein konsequenter und stabiler Alkoholverzicht ist aus verkehrspsychologischer Sicht immer dann erforderlich, wenn aufgrund Ihrer Vorgeschichte und persönlichen Lerngeschichte bezogen auf den Umgang mit Alkohol feststeht, dass Sie dauerhaft nicht in der Lage sein werden, kontrolliert mit Alkohol umzugehen.

Um dies festzustellen, ist es erforderlich, zahlreiche Aspekte zu berücksichtigen, die den Ramen dieser Arbeit sprengen. Der Gutachter wird anhand der Beurteilungskriterien zu berücksichtigen haben: psychische und soziale Merkmale, Delikt-Merkmale bzw. Hinweise aus der Verkehrsvorgeschichte, Vermeidungsstrategien, Selbstkontroll- und Therapieerfahrungen, Trinkbedingungen, Trinkmotive sowie -umstände, Alkoholtrinkmengen und -häufigkeiten. Diese Frage kann nur in einem individuellen Gespräch geklärt werden.

Zur angemessenen Problembewältigung muss der Alkoholverzicht bereits ausreichend lange erprobt sein, dass Sie diesen in Ihr Gesamtverhalten übernehmen konnten. Davon ist in der Regel nach Ablauf eines Jahres auszugehen, ausnahmsweise nach 6 Monaten.

Abstinenznachweise über 1 Jahr, nur ausnahmsweise 6 Monate (Vorsicht!).

Alkoholabhängigkeit

Für die verkehrspsychologische Diagnose einer Alkoholabhängigkeit muss feststehen, dass Sie

  • eine Entwöhnungstherapie oder
  • eine vergleichbare suchttherapeutische Problembewältigung durchgeführt haben, die zu einer stabilen Alkoholabstinenz geführt hat.

Eine Alkoholabhängigkeit muss also bereits extern diagnostiziert worden sein oder eine solche muss aufgrund der aktuellen Befundlage für den Gutachter feststehen.

Welche Voraussetzungen Sie bei einer feststehenden Alkoholabhängigkeit hinsichtlich der Abstinenz erfüllen müssen kann kompliziert sein. Sie müssen jedenfalls nach Abschluss einer stationären oder ambulanten Entwöhnungstherapie ein Jahr Abstinenz einhalten. Ausnahmsweise kann in besonders günstigen Fällen auch ein kürzerer Zeitraum ausreichend sein. Sich auf einen solchen Ausnahmezustand berufen zu wollen ist jedoch in der Regel mit Risiken behaftet, so dass ich zu einem Abstinenznachweis von der oben genannten Dauer rate.

Abstinenznachweise über 1 Jahr nach Beendigung einer stationären oder ambulanten Entwöhnungstherapie.

Abstinenz (Hypothese CTU = chemisch-toxikologische Untersuchung)

Entsprechend den Beurteilungskriterien müssen die Durchführungsbedingungen transparent und der Untersuchungszeitraum nachvollziehbar sein. Abstinenzuntersuchungen können nur durch neutrale und qualitätsgesicherte Stellen nach dem wissenschaftlich anerkannten Stand durchgeführt werden. Die Proben dürfen nur von einem für forensische Zwecke zertifizierten Labor untersucht worden sein, um anerkannt zu werden. Zudem muss ein Vertrag zwischen Ihnen und dem Untersucher geschlossen werden, aus dem sich orientierend Folgendes ergibt:

  • Beginn und Dauer des Abstinenzprogrammes sowie wie viele und welche Untersuchungen durchgeführt werden sollen (mindestens 4 in 6 Monaten oder mindestens 6 in 12 Monaten)
  • Abbruchbedingungen bei Nichterreichbarkeit oder EtG- bzw. Drogennachweis und bei verdünntem Urin
  • Hinweis auf Verpflichtung zur Verfügbarkeit sowie Kontaktdaten
  • Einbestellung alle 1 – 6 Wochen nach dem Zufallsprinzip bei Unvorhersehbarkeit für den Betroffenen
  • Betroffene dürfen nicht am selben Wochentag einbestellt werden, müssen den Urin unter Sicht abgeben und haben binnen 24 Stunden nach Einbestellung zu erscheinen

Bild Alkoholabstinenz bei Alkoholgefährdung, konsequent erforderlichem Alkoholverzicht und Alkoholabhängigkeit

Was sollte ich sonst zum Thema Alkohol wissen?

Sämtliche Überlegungen zum Thema Alkoholkonsum werden hier weniger unter dem Aspekt eines Suchtmediziners als aus der Sicht eines Verkehrsmediziners bzw. Verkehrspsychologen betrachtet. Die Ansicht eines Verkehrspsychologen unterscheidet sich deshalb, weil es um die Frage geht, ob jemand aufgrund seines Trinkverhaltens und seiner Lerngeschichte geeignet sein kann, ein Kraftfahrzeug im Straßenverkehr zu führen.

Hinsichtlich des Alkoholkonsums gibt es nicht nur die beiden Extreme Abstinenzler und Alkoholiker, denen es „auf der Stirn geschrieben steht“! Die Mehrzahl der Betroffenen sind keine Alkoholiker, sondern gehen mit Alkohol missbräuchlich um.

Missbräuchlicher Alkoholkonsum – der Augenöffner

Ok, was bedeutet „missbräuchlicher Alkoholkonsum“? Um diesen Punkt zu verstehen, beschäftigen wir uns zunächst mit der Frage, was Alkohol ist und bis zu welchem Punkt Alkoholkonsum noch als risikoarm bezeichnet werden kann.

Was ist Alkohol?

Hier wollen wir uns nicht mit chemisch-naturwissenschaftlichen Voraussetzungen beschäftigen – ganz einfach weil Sie das bei Ihrer MPU-Vorbereitung nicht wirklich weiterbringt –, sondern uns einmal mehr oder weniger oberflächlich ansehen, was Alkohol ist und was Alkohol in und mit unserem Körper macht.

Alkohol, das am häufigsten konsumierte legale und überall verfügbare Suchtmittel

Alkohol ist das weltweit das am häufigsten konsumierte Suchtmittel.  Er entsteht beim Vergären von Früchten, Getreidesaaten oder Kartoffeln und kann destilliert werden, um höherprozentige Getränke zu erhalten. Alkoholabhängigkeit ist bei Männern die häufigste psychische Erkrankung, bei Frauen nach den Angststörungen die zweithäufigste. Alle acht Minuten stirbt ein Mensch an den direkten oder indirekten Folgen des Alkoholkonsums. Etwa 25 % aller Alkoholabhängigen unternehmen einen oder mehrere Suizidversuche. Ja, ja, nicht jeder, der Alkohol trinkt, ist abhängig! Der Grundgedanke, den Sie mitnehmen sollten, ist, dass Alkohol ein Zellgift ist und es keinen Grenzwert für den Konsum gibt, der unbedenklich ist. Außerdem ist es ein schleichender Prozess, von einem noch risikoarmen zu einem riskant-missbräuchlichen und im Verlauf von Jahrzehnten ggf. zu einem abhängigen Konsum zu gelangen. Der Mediziner sagt zum missbräuchlichen Konsum „schädlicher Gebrauch“, ICD-10 F10.1 (der ICD-Code ist eine Verschlüsselung von ärztlichen Diagnosen sämtlicher Fachbereiche, wobei in der F-Gruppe die psychischen und Verhaltensstörungen aufgelistet sind). Wir werden gleich noch sehen, welcher Umgang mit Alkohol noch als risikoarm (nicht unbedenklich!) eingestuft wird.

 Gestörte Trinkkultur in Deutschland

Alkohol ist ein legales, ständig und überall verfügbares sowie kostengünstiges und wirksames Betäubungsmittel. Wer Stress auf der Arbeit oder im Amt hat, kann mal eben schnell abschalten.

Lindemeyer spricht in seinem Buch „Lieber schlau als blau“ von unterschiedlichen Trinkkulturen und teilt diese ein in „Abstinenzkulturen“ in Ländern, in denen der Islam Staatsreligion ist, „Trinkkulturen“ in Ländern des Mittelmeerraumes, in denen das Trinken von Wein fester Bestandteil von Mahlzeiten ist und auch ein hoher Alkoholverbrauch gegeben ist, aber es klare und verbindliche Umgangsregeln mit Alkohol gibt. Bereits

geringfügige Überschreitungen dieser Regeln werden als Charakterschwäche, Unmännlichkeit oder Unzuverlässigkeit abgelehnt. Nach Lindemeyer gehören dazu gelegentliches Betrunkensein, wiederholtes Trinken von Alkohol außerhalb von Mahlzeiten oder Geselligkeit und das Bevorzugen von hochprozentigen Alkoholgetränken. Dann gibt es nach Lindemeyer noch die „gestörten Trinkkulturen“, wozu auch Deutschland gehört. Dabei gibt keine klaren Grenzen zwischen normalem und unnormalem Alkoholkonsum. Wetttrinken, wiederholte Räusche, schwere Kater oder das ausschließliche Trinken von hochprozentigen alkoholischen Getränken seien weit verbreitet. Der Einzelne habe keine klare Richtschnur für einen sinnvollen Umgang mit Alkohol. So kommt es, dass man sich über viele Jahre ein riskantes und gesundheitsschädliches Trinkverhalten angewöhne.

Lindemeyer beschreibt fünf ungeschriebene Gesetze im (problematischen!) Umgang mit Alkohol:

  1. Regelmäßiger Alkoholkonsum ist normal
  2. Alkohol gehört dazu (Geselligkeit, Fernsehen, Kneipen, Mahlzeiten, Arbeitsplatz)
  3. Alkohol tut gut (man fühlt sich wohler, Kontakterleichterung, Stärkung des Selbstvertrauens, humorvoller und ideenreicher, Helfer bei Niedergeschlagenheit und Depression, Belastungen können besser überwunden werden, Erleichterung der sexuellen Annäherung, man kann besser abschalten)
  4. Trinke so viel wie dein Nachbar (dann fällt dein problematisches Trinkverhalten nicht bzw. viel zu spät erst auf)
  5. Alkoholtrinken ist Privatsache

Die ungeschriebenen Gesetze der gestörten Trinkkulturen führen dazu, dass sich ein problematisches Alkohol-Trinkverhalten über Jahre unbemerkt entwickeln kann, ohne dass man von Freunden oder Familienangehörigen darauf angesprochen wird.

Wer mehr über das Thema Alkohol und somit auch über sich und sein Trinkverhalten erfahren möchte, dem empfehle ich, sich das Buch von Herrn Lindemeyer zu kaufen. Es ist im Beltz Verlag erschienen, in jeder Buchhandlung und online erhältlich und liest sich sehr gut. Es kostet 29,95 € und kann eine Investition sein, die sich lohnt, nicht nur auf Ihrem Weg, Ihren Führerschein zurückzuerhalten!

Risikoarmer Alkoholkonsum

Da Alkohol ein Zellgift ist, gibt es per se keinen „ungefährlichen Alkoholkonsum“! Aber Alkohol ist gesellschaftlich anerkannt, so dass sich Fachgesellschaften mit der Frage beschäftigt haben, ob es einen risikoarmen Alkoholkonsum gibt. Ganz nach dem Sprichwort „Ein Gläschen in Ehren kann niemand verwehren“ wird es wohl so sein, dass sich derjenige, der ab und zu ein Glas Bier oder Wein trinkt, schon nicht an seiner Gesundheit schaden wird. Aber wie schon Paracelsus, die Dosis macht das Gift.

Alkoholkonsum ist als risikoarm zu bezeichnen, wenn Männer nicht mehr als 20 ( – 24) Gramm Alkohol pro Tag an höchstens 4 – 5 Tagen in der Woche trinken, Frauen die Hälfte.

Ein Standardglas enthält 8 Gramm Alkohol

Um leichter den Überblick zu behalten, wie viel Alkohol man tatsächlich trinkt und um die einzelnen alkoholischen Getränke vergleichbar zu machen, wurde das Standardglas eingeführt. Ein Standardglas enthält in der Regel 8 – 12 Gramm Alkohol. Hier möchte ich mich dem Modell anschließen, dass 1 Standardglas 8 Gramm Alkohol enthält, weil ein 80-Kilogramm-Mann pro Stunde 8 Gramm Alkohol abbaut, also so viel wie ein Standardglas Alkohol enthält. Das bedeutet für die o.g. Getränke:

  • 1 Standardglas Bier 5 % (8 Gramm Alkohol) = 200 ml
  • 1 Standardglas Wein/Sekt 10 % (8 Gramm Alkohol) = 100 ml
  • 1 Standardglas Wodka 40 % (8 Gramm Alkohol)  =   25 ml

So können Sie sehr schnell sehen, wann Sie die als noch risikoarm bezeichnete Trinkmenge von 20 Gramm Alkohol erreicht haben. Beispielsweise nach dem Genuss von 2,5 Gläsern Bier à 0,2 l oder nach einer einem Glas Bier und einem einfachen Pinnchen Wodka. Dann ist Schluss! Wiegen Sie als Mann 80 kg, dann benötigen Sie 2,5 Stunden, um den getrunkenen Alkohol abzubauen. Die Anzahl der getrunken Standardgläser und der Abbau in Stunden entsprechen sich bei einem 80 kg schweren Mann.

Welche Grenzwerte gibt es im Straßenverkehr?

  • Null-Promillegrenze für Fahranfänger während der zweijährigen Probezeit sowie für Personen bis zum 21. Lebensjahr.
    • Bis 0,5 Promille ohne erkennbare Anzeichen von Fahrunsicherheit Bußgeld von 250 €, 1 Punkt, es drohen Auflagen (Aufbauseminar), Verlängerung der Probezeit auf 4 Jahre
    • Bis 0,5 Promille mit erkennbaren Anzeichen von Fahrunsicherheit drohen höhere Strafen
  • 0,3-Promillegrenze
    • Normalerweise keine Ordnungswidrigkeit
    • aber kommt es zu einer alkoholtypischen Fahrweise (Schlangenlinien) oder zu einem Unfall, kann dies bereits wie eine Straftat wegen Trunkenheit im Verkehr sanktioniert werden.
  • 0,5 bis 1,09-Promillegrenze
    • Relative Fahruntüchtigkeit
    • Unfallgefahr verdoppelt bei 0,5 Promille
    • Mal Bußgeld 500 €, 2 Punkte, 1 Monat Fahrverbot
    • Mal Bußgeld 1.000 €, 2 Punkte, 2 Monate Fahrverbot
    • Mal Bußgeld 1.500 €, 2 Punkte, 3 Monate Fahrverbot
    • Kommt es zu einem Unfall, drohen weitere Strafen.
  • 1,1-Promillegrenze
    • Absolute Fahruntüchtigkeit
    • Unfallgefahr verzehnfacht bei 1,1 Promille
    • Neben hohen Strafen wird in der Regel die Fahrerlaubnis entzogen
  • 1,6-Promillegrenze
    • Wie bei 1,1-Promillegrenze
    • Anordnung einer MPU
  • Alkoholfahrt als Radfahrer
    • 3 Punkte, Bußgeld
    • Anordnung MPU!

Wie wirkt sich Alkohol auf meine Fahrtüchtigkeit aus?

  • Ab 0,3 Promille
    • Sehleistung schlechter
    • Konzentration schlechter
    • Urteilsvermögen schlechter
    • Reaktionsvermögen schlechter
    • Risikobereitschaft höher
  • Ab 0,5 Promille
    • Verminderung der Sehleistung um 15 %
    • Hörvermögen schlechter
    • Geschwindigkeiten werden falsch eingeschätzt
  • Ab 0,8 Promille
    • Konzentrationsschwächen nehmen zu
    • Gesichtsfeldeinengung um 25 % (Tunnelblick)
    • Reaktionszeit verlängert um 50 %
    • Leichtsinnigkeit nimmt zu
    • Überschätzung nimmt zu
  • 1,0 – 2,0 Promille
    • Sprechen schlechter
    • Sehen schlechter
    • Merkfähigkeit schlechter
    • Enthemmung größer
    • Reaktionsvermögen schlechter
    • Orientierungslosigkeit
    • Gleichgewichtsprobleme
    • Verwirrtheit
  • 2,0 – 3,0 Promille
    • Betäubungszustand
    • Weitere Zunahme von Gleichgewichts-, Konzentrations-, Gedächtnis- und Bewusstseinsstörungen, Verwirrtheit
    • Muskelerschlaffung
    • Brechreiz
  • Ab 3,0 Promille
    • Lebensgefahr aufgrund Muskelkontrollverlust, Reflexlosigkeit, schwacher Atmung, Koma

Je mehr Alkohol sie trinken, desto mehr verändern sich Wahrnehmung, Handlungsfähigkeit, Gefahreneinschätzung, Fühlen und Denken.

Wie kann ich denn meinen Promillewert berechnen?

Der Promillewert (die Blutalkoholkonzentration) wird wie folgt berechnet. Der Berechnung liegt die Widmark-Formel zugrunde.

Getrunkene Alkoholmenge A

Fangen wir im ersten Schritt an, die Alkoholmenge A zu berechnen. Sie wissen, dass Bier 5 Volumenprozent Alkohol hat. Multiplizieren Sie die 5 Volumenprozent mit 8. Sie erhalten dann die Alkoholmenge in einem Liter Bier: 5 x 8 = 40 Gramm Alkohol/Liter Bier.

Bei einer Gesamttrinkmenge von 1,5 Litern Bier 5 % haben Sie 8 x 40 = 60 Gramm Alkohol aufgenommen.

Alternativ summieren Sie, wie oben gezeigt, die von Ihnen getrunkene Menge an Standardgläsern à 8 g Alkohol.

Reduziertes Körpergewicht berechnen (m*r)

M ist Ihr Körpergewicht, r ist ein Faktor, der den Wasseranteil im Körper des Menschen berücksichtigt, da Alkohol – vereinfacht gesagt – sich im Wasser des Körpers verteilt. Der Faktor beträgt für Männer 0,7 und Frauen 0,6.

Nehmen wir an, Sie wogen zum Zeitpunkt der Trunkenheitsfahrt 70 kg:

70 * 0,7 = 49 kg reduziertes Körpergewicht

49 kg entspricht Ihrem reduzierten Körpergewicht, in dem sich der Alkohol in Ihrem Körper verteilt. Dabei handelt es sich natürlich nur um einen Schätzwert.

Alkoholverluste beim Trinken

Die Verluste der getrunkenen Alkoholmenge betragen zwischen 10 und 30 %, also durchschnittlich 20 %. Beispielsweise verlieren Sie Alkohol über den Darm, die Leber bei der ersten Passage beim Abatmen und weitere Verstoffwechselung.

Von den getrunkenen 60 Gramm Alkohol werden durchschnittlich 48 Gramm Alkohol vom Körper aufgenommen.

Abschätzung der Blutalkoholkonzentration aufgrund der gemachten Angaben

Wir erhalten folgende Werte:

Aufgenommene Alkoholmenge (A) von 48 Gramm unter Berücksichtigung eines durchschnittliches Verlustes von 20 %.

Ihr reduziertes Körpergewicht betrug 49 kg (m*r).

Eingesetzt in die umgestellte Widmarkformel Blutalkoholkonzentration c = A/(m*r) bedeutet das

Blutalkoholkonzentration c = 48/49 =  0,96 Promille.

Berücksichtigung des Alkoholhabbaus von durchschnittlich 0,15 Promille pro Stunde

Schließlich ist noch die Zeit seit Trinkende bis zur Trunkenheitsfahrt zur berücksichtigen, 19 Uhr – 21 Uhr, entsprechend 2 Stunden. In dieser Zeit werden 0,1 bis 0,2 Promille pro Stunde abgebaut.

Blutalkoholkonzentration c = 0,96 Promille – 2*0,15 Promille = 0,69 Promille

Für die begutachtenden Ärzte und Psychologen steht fest, dass aufgrund Ihrer Angaben, 1,5 Liter Bier getrunken zu haben, Ihre Blutalkoholkonzentration zum Zeitpunkt der Trunkenheitsfahrt um 21 Uhr etwa 0,69 Promille betragen haben kann.

<Fortsetzung folgt>

Verhalten vor und während der MPU

Für das Verhalten unmittelbar vor und während der MPU sollten folgende allgemeine Hinweise beachtet werden:

  • Unbedingt im ausgeruhten Zustand erscheinen
    (z. B. nicht im Anschluss an eine Nachtschicht) -­ wer müde ist, kann sich
    schlechter konzentrieren.
  • Auf keinen Fall vorher Alkohol trinken und keine Aufputsch-­ oder Beruhigungsmittel einnehmen -­ diese setzen die Fähigkeit zum klaren Denken und schnellen folgerichtigen Reaktionen herab.
  • Am besten überhaupt keine Medikamente einnehmen; sollte dies krankheitsbedingt dennoch erforderlich sein, empfiehlt es sich, denuntersuchenden MPU-­Arzt vor dem Beginn der eigentlichen Begutachtungdarüber zu informieren.
  • Vorher nicht zu üppig essen -­ das Blut wird im Kopf und nicht im Magen gebraucht.
  • Weder zu aufdringliche noch zu legere Kleidung tragen und besonnen aber auch nicht unterwürfig auftreten.
  • Rechtzeitig und nicht erst in letzter Minute oder gar verspätet zum Termin erscheinen.
  • Ruhig bleiben, auch wenn man vor Prüfungsbeginn längere Zeit warten muss.
  • Ablenkung suchen, z. B. durch Lesen oder leises Musikhören.
  • Bei Lampenfieber bzw. Prüfungsangst daran denken, dass eine Vielzahl der untersuchten Kraftfahrer die MPU besteht.
  • Keinesfalls Zweifel am Sinn der Untersuchung äußern. Auch Gutachter schätzen es nicht, wenn man Sinn und Zweck ihrer Tätigkeit in Frage stellt. Zudem deuten solche Äußerungen auf ein mangelndes Problembewusstsein.
  • Die Probleme, die Anlass für die MPU gegeben haben, nicht auf andere abwälzen, sondern eigene Fehler zugeben.
  • Keine Schuldvorwürfe gegen Polizei und Justiz aussprechen oder sich als „Pechvogel“ hinstellen, weil man sonst möglicherweise als „uneinsichtig“ und „unkritisch“ angesehen wird.
  • Die Wahrheit sagen und so Widersprüche vermeiden.
  • Auf eventuelle Suggestivfragen vorbereitet sein.

Quellen:

  • Lieber schlau als blau, Lindeneyer, 9. Auflage, 2016, Beltz Verlag
  • Beurteilungskriterien, Urteilsbildung in der Fahreignungsbegutachtung, Hrsg. Deutsche Gesellschaft für Verkehrspsychologie, Deutsche Gesellschaft für Verkehrsmedizin, 3. Auflage, 2013, Kirschbaum Verlag Bonn
1
Gerne beantworte ich Ihnen Fragen zur MPU oder zu meinen Intensiv-Seminaren!
Powered by